EN | DE

News

Abschlussveranstaltung – Resilienz im kommunalen Risikomanagement – Lienz in der Perspektive 2050

Wann: 10. März 2016 – 14:00 – 17:00 Uhr

Wo: Ratssaal der Stadtgemeinde Lienz in der Liebburg

Einladung: Einladung Abschlusspräsentation ARISE

Teilergebnisse des ersten Workshops im Jänner 2015:

 

Erster Workshop in Lienz

Am 28. Jänner 2015 trafen sich VertreterInnen aus verschiedenen Lienzer Wirtschaftsbereichen, der Verwaltung sowie der Politik, um im Ratssaal der Stadtgemeinde Lienz gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen über die Auswirkungen des Klimawandels und über mögliche zukünftige sozioökonomische Entwicklungen in der Region Lienz zu diskutieren. Die Veranstaltung fand im Rahmen des seit 2014 laufenden Forschungsprojekts ARISE statt. Die insgesamt 15 TeilnehmerInnen arbeiteten im Rahmen des Workshops an möglichen Zukunftsszenarien der Stadtgemeinde und ihr Umland für den Zeithorizont 2030 bis 2050.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Bereits im Vorfeld wurden anhand qualitativer Befragungen im Raum Lienz lokales Wissen und Erfahrungen der AkteurInnen eingeholt. Hier ging es in erster Linie um das vorhandene Bewusstsein und Wissen zum Thema Klimawandel und Naturgefahren. Die Ergebnisse daraus wurden im Rahmen der Veranstaltung durch das Umweltbundesamt vorgestellt. Das WIFO Österreich präsentierte aktuelle Trends sowie Daten zu sektoraler Beschäftigung, Wertschöpfung und demographischer Entwicklung für die Region Osttirol als auch die Stadtgemeinde Lienz und den Planungsverband 36. Die langfristigen Bevölkerungsprognosen basieren auf den ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) Szenarien für 2030 und 2050. Des Weiteren wurde von der ZAMG ein regionales Klimaszenario für den Raum Lienz entwickelt, das mögliche klimatische Veränderungen bis zum Jahr 2100 darstellt.

Regionales Wissen als wichtiger Beitrag für regionale sozioökonomische Szenarien

Im Rahmen des Projektes ARISE werden zwei regionale sozio-ökonomische Szenarien für die Stadtgemeinde Lienz und das relevante Umland entwickelt, die neben den Klimaszenarien ein Kernstück für die Abschätzung zukünftiger Risiken bilden. Aufgrund der Kleinräumigkeit ist eine rein modellbasierte Analyse nicht ausreichend, vielmehr ist es wichtig hierbei das lokale Wissen einzubinden. Aufbauend auf vergangenen Trends und der lokalen Einschätzung über zukünftige mögliche Entwicklungen werden im Projekt in weiterer Folge die sozioökonomischen Szenarien entwickelt. Gemeinsam mit den Workshop-TeilnehmerInnen wurden mögliche zukünftige Entwicklungen für die Sektoren:

  • Tourismus;
  • Infrastruktur und Naturgefahren;
  • Land- und Forstwirtschaft;
  • Industrie und produzierendes Gewerbe;
  • Bildung, Gesundheit und sonstige Dienstleistungen;
  • Politik und Verwaltung.

aus zwei unterschiedlichen Perspektiven anhand eines „Boom“-Szenarios (florierende wirtschaftliche Entwicklung) und eines „Stagnations“-Szenarios (negative wirtschaftliche Entwicklung) diskutiert.

Einblicke und Eckpunkte eines möglichen Boom-Szenarios: hohes sozio-ökonomisches Potential für Lienz und Umgebung

Charakteristisch für das von den TeilnehmerInnen erarbeitete „Boom“-Szenario ist eine sektorübergreifende positive Einschätzung des sozio-ökonomischen Potentials der Region. Diese ist gepaart mit einem ausgeprägten Bewusstsein, dass es im Fall positiver wirtschaftlicher Entwicklung zu deutlichen Verschiebungen in Struktur und Zielorientierung einzelner Sektoren kommt. So diskutierten die TeilnehmerInnen im Bereich Tourismus z.B. die „Vision“ eines sanften Hütten- und Almtourismus, eines Tourismus ohne eigenes Auto oder ein Erlebnis Wasserwelt Osttirol und sahen vielfältige Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung des Sektors, vor allem im Ausbau des Sommertourismus. Im Bereich „Infrastruktur und Naturgefahren“ wurde die Aufrechterhaltung von Wege- und Versorgungsnetzen als charakteristisch für die wirtschaftliche Entwicklung eines Boom-Szenarios hervorgehoben. Der höhere Erhaltungsaufwand und die Frage der Finanzierbarkeit wurden jedoch sogleich als Stolperstein einer Realisierung identifiziert. In diesem Punkt berührten sich das „Boom“ und das „Stagnations“-Szenarien insofern, als dass sich wünschenswerte positive Zukünfte durch gegebene administrative und fiskalische Restriktionen als „unrealistisch“ erwiesen. Man könnte sagen, die Erstellung einer langfristigen positiven Zukunftsvision wurde regelmäßig durch einen aktuell gegebenen Realitätsbezug in ihre Schranken verwiesen. Im Laufe des Workshops lösten sich die TeilnehmerInnen zusehends von gegebenen Sachzwängen und fanden Gefallen an der gedanklichen Entwicklung einer boomenden Zukunft, an der Erstellung einer Vision. Die folgenden Eckpunkte sollen an dieser Stelle als Einblick in die diversen Ausblicke genügen: Flächendeckender Ausbau von Photovoltaikanlagen, Windenergieansiedlung in Osttirol, Frischluftkurzentrum für die Bevölkerung aus den überhitzten Städten, Sommerfrische, innovative Bildungseinrichtungen, neue Dienstleistungen, Bildungscluster Pflege, Bildungscluster Naturmanagement, Spezialisierung und Nischenbildung im produzierenden Bereich für die Reichen dieser Welt in Asien und Europa, Bestandspflege bestehender Industriebereiche, endogene Wirtschaftsentwicklung durch Innovation und Nischenprodukte, eine proaktive auf Bürgerbeteiligung setzende Politik und nicht zuletzt eine positive Bewusstseinsbildung sowie ein integriertes Denken für die Region.

Mangelnde Flexibilität und sektorales Denken als Hemmschuh: ein mögliches „Stagnations“-Szenario

Als Dreh- und Angelpunkt einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale kristallisierten sich die prognostizierte Abwanderung aus der Region, der Bevölkerungsrückgang sowie die Alterung der Bevölkerung heraus. Eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema Immigration wurde als konstitutiver Faktor eines „Stagnations“-Szenario benannt. Wesentliche Eckpfeiler des Szenarios waren darüber hinaus fehlende weiterführende Bildungseinrichtungen und ein intensiver internationaler Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte. Im administrativen Bereich wurde striktes territoriales Denken, also ein Denken und Handeln, das sich an administrativen und territorialen Einheiten orientiert und nicht an Funktionen, für eine stagnierende Entwicklung ausgemacht. Der Wechsel der Perspektive zu einem Szenario einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung zeigte deutlich, woran eine positive zukünftige Entwicklung scheitern mag: zu starre und wenig wandlungsfähige Systeme.

SI 7  SI6